Christian Ehl

Facebook macht gerade vieles falsch

von am 25. Februar 2012

Daumen hoch für eine offene Social Media Plattform

Ja, Facebook hat bisher vieles richtig gemacht. Mark Zuckerberg hat früh die Macht der menschlichen Beziehungen verstanden und diese konsequent in einer leicht zu bedienenden Plattform abgebildet und erlebbar gemacht. Zu Recht ist Facebook so schnell gewachsen, bietet viel Raum für Kommunikation, Kreativität und auch immer mehr Möglichkeiten für Unternehmen. Facebook wird als die Social Media Plattform gehandelt, doch wenn man genau hinter die Kulissen schaut stellt man fest, Facebook macht gerade vieles falsch.

Ein genauer Blick auf die Pinnwand macht verständlich, was Facebook gerade falsch macht. Facebook übernimmt die Sortierung der Beiträge wahrscheinlich um seine Nutzer vor der Überfrachtung an irrelevanter Information zu schützen. Auf Basis des Edge Rank Algorithmus werden Beiträge periodisiert oder gar ausgefiltert. Beiträge mit Videos, Bildern und Kommentaren werden auf magische Weise priorisiert. Das Ergebnis ist unbefriedigend. Viele irrelevante Beiträge sind an der Tagesordnung. Man fühlt sich informiert, aber nicht inspiriert, die Freude der frühen Facebook Erlebnisse, die Verbindung mit guten Freunden, Familie oder die Inspiration durch Unternehmen ist etwas in den Hintergrund geraten. Dazu die überfrachtete Oberfläche, die Optimierung der Anzeigen durch Facebook (Masse statt Klasse), das alles schwächt die Plattform. Damit folgt Facebook den Fußstapfen von Google, das Netz wird für jeden vermeintlich intelligent aufbereitet, du siehst was anderes als ich.

 

Es stellt sich folgende Frage: ist Facebook wirklich eine Social Media Plattform, oder doch nur eine Website spezialisiert auf Social Media Kommunikation? Geträumt haben wir vom ersten, Facebook gibt uns gerade das zweite. Eine Plattform ist wie eine Infrastruktur auf der man Dinge machen kann. Ein Bindeglied zwischen den Menschen, den Unternehmen, global, schnell, berechenbar und offen. Doch in dem Rahmen, in dem Facebook eingreift um im eigenen Interesse den Informationsfluss zwischen den Teilnehmern zu beeinflussen, wird es als Plattform irrelevant. Dazu fühlt sich Facebook als Unternehmen langsam an. Die im Spätsommer angekündigte Timeline, eine Verbindung zwischen Menschen und deren Geschichte und Erlebnissen, die viralen Anwendungen des Open Graph, die Menschen unterstützen gemeinsam Dinge zu erleben, sie lassen auf sich warten.

Was machen die anderen gerade richtig? Ein Blick auf meine Profile bei Path, Twitter oder Pinterest zeigen wie spannend und wertvoll die Social Media Kommunikation sein kann. Sie zeigen (gefühlt ungefiltert) die Beiträge meiner Freunde oder zu den von mir ausgewählten Themen. Schnell entdeckt man wertvolle Inhalte, Ideen, neue Inspirationen, Unterhaltung, interessante Menschen aus dem unendlichen Schatz dieser Welt. Ohne Zweifel, Social Media hat eine große Zukunft.

Vielleicht will Facebook ja gar keine Plattform sein. Schade drum, denn einer offene Plattform für Social Media gehört die Zukunft.

Inspiriert durch http://www.geekwire.com/2012/facebook-surrender-users-niche-social-networks

 

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