Es wurde viel spekuliert und manches angedeutet. Jetzt ist es passiert! Google versucht ein weiteres Mal ‘social’ zu werden. Nach den gescheiterten Versuchen von Wave (Nutzen war fraglich) und Buzz (Datenschutzaufschrei) denkt man unter der Führung von Larry Page jetzt offenbar größer. Und dieses Mal scheint der Suchmaschinenriese ernst zu machen… Oder?
Seit Erscheinen des +1 Buttons habe ich mir gewünscht, dass dieser mehr kann, als die Suchergebnisse meiner Google-Kontakte im eingeloggten Zustand zu beeinflussen. Und ich habe die Vermutung angestellt, dass da mehr kommen muss (Artikel: Google +1 – der erste Schritt zum Social Network?). Endlich ist es nun soweit! Google hat mit Google+ den Prototypen einer Social Platform gebaut (und dem +1 Button einen tieferen Sinn gegeben).
Wie die Plattform funktioniert, welches die besten Features sind – aus meiner Sicht Huddle (Group Chat), Circles (Gruppen) und Hangout (Group Video Chat) – und ob jetzt eher eine Konkurrenz für Facebook, Lokalisten oder für Skype zu befürchten ist, kann man hier, hier und hier nachlesen, denn leider kann ich Google+ selbst nicht testen. Ähmmmm. Wie bitte? NICHT testen???
Nicht schon wieder!
Mit Wave hat der Suchriese in der Launchphase zwei Fehler gemacht, die meiner Meinung nach für das Scheitern des Services verantwortlich waren.
1) Der Service war nur gegen Einladungscodes von Usern zugänglich. Damit konnte der Hype, der in den Anfangstagen um das Projekt gemacht wurde nicht in User umgewandelt werden. Viele User wären aber für Erfolgserlebnisse notwendig gewesen.
2) Keiner wusste, warum es den Service gab. Es wurde viel berichtet aber es gab keine alltagstauglichen Usecases. Die konnte selbst Google nicht liefern.
Die Folge: Wave konnte nie wirklich zum Leben erweckt werden, die Entwicklung wurde von Google eingestellt und das Konzept konnte nicht mehr als einen Platz auf dem Gute-Ingenieurs-Ideen-Friedhof ergattern.
Macht Google den gleichen Fehler nochmal?
1) (Genau wie Wave) ist Google+ nicht mit einem großen Event gestartet. Mit google.com/+ gibt es nichtmal eine eigene URL! Durch die geschlossene Betaphase wird der Anfangshype nicht in Usern messbar, aber genau das – Sie ahnen es – wäre doch für eine breite Akzeptanz und positive Erlebnisse in meinem Social Circle notwendig.
2) (Und genau wie bei Wave) weiß eigentlich keiner, wofür ich die netten Features eigentlich brauche. Denn bisher habe ich ein Soziales Netzwerk, das kaum Wünsche offen lässt und in dem 80% meiner Familie und Freunde zumindest schon mal einen Account haben.
Googles Versprechen, dass das (was ich bislang nicht erleben kann) erst der Anfang ist, nützt mir nichts. Und es kommt mir so bekannt vor (Wave, Buzz), dass ich schon Angst um die Boni der Google-Mitarbeiter habe. Denn die haben sich im Zusammenhang mit Google+ viel Mühe gegeben, ihrem Unternehmen den Zugang zu Einnahmen aus den wachsenden Social-Advertising-Töpfen zu ermöglichen.
Wird Google jetzt endlich social?
Meiner Meinung nach gelingt das so nicht. Denn die Welt braucht keine weitere Social Platform, auf der niemand aus dem Sozialen Netz Zuhause ist.
Wenn Google aber a) zügig b) eine Menge User auf die Plattform bringen kann und sowohl in Sachen c) Usability als auch in Punkten d) Privacy, e) Apps und f) Business-Nutzen Punkten kann, sehe ich mich, meinen Social Circle und vermutlich auch Sie über kurz oder lang auch bei Google+.
